Kampf um die sichere Versorgung der Bevölkerung

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Koalitionsverhandlungen 2018 | Eins, zwei oder drei - letzte Chance vorbei? Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen spitzt sich die Debatte um die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung zu. Es ist aller höchste Zeit mit diesem Thema in die Offensive zu gehen!

Koalitionsverhandlung 2018  

Der Kampf um die sichere Versorgung der Bevölkerung

 

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland verdoppeln. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen werden zwei Millionen Pfleger und Ärzte benötigt. Vergeblich benötigt, denn es fehlt an interessierten Bewerbern. Zudem spürt das Gesundheitswesen auch auf der Arbeitnehmerseite immer deutlicher die Auswüchse der Berufsvorstellung der Generation Y. Um am Markt bestehen zu können, müssen Krankenhäuser nicht nur einen Wandel hinsichtlich der Patienten durchleben, sondern auch im Kontext des Recruitings.

In allen Landesteilen der Bundesrepublik stehen die Krankenhäuser vor der Herausforderung, die ärztliche Versorgung für die Bevölkerung kosteneffizient und auf einem hohen medizinischen Niveau sicherzustellen. Nicht selten geschieht dies über die Ausnutzung von Effizienzreserven, um zusätzliche Erlöspotenziale zu erschließen. Eine Anpassung der Leistungsstrukturen und eine damit einhergehende Arbeitsverdichtung sind dabei häufig die Folge. Nicht selten wirken diese Umstände auch auf die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Hohe Krankenstände, Probleme bei der Personalakquise und Personalaustritte sind vor diesem Hintergrund einzukalkulieren. Unberücksichtigt bleibt dabei die Bedeutung der Mitarbeiter im Kontext der Markenkommunikation. Wer möchte schon in einem Unternehmen arbeiten, von dem schlecht gesprochen wird?

Vor diesem Spannungsfeld wirkt das Thema der ärztlichen Versorgung deutlich brisanter. Die Unterstützung einer flächendeckenden gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung ist eine wesentliche Zukunftsaufgabe. Nachdem Bürgerversicherung und eine Vereinheitlichung der Arzthonorare abgelehnt wurden, rückt das Thema des Hausärztemangels auch im Rahmen der Koalitionsverhandlungen wieder in den Vordergrund. Ginge es nach Herman Gröhe (CDU), müsse die Versorgung im ländlichen Raum gestärkt und der Zugang zum medizinischen Fortschritt ermöglicht werden. Im Rahmen dieser Äußerung sah sich der Vize-Vorstand der GKV, Johann-Magnus von Stackelberg, dazu veranlasst direkt Ausgestaltungsmöglichkeiten darzulegen. Aus seiner Sicht müssten zunächst Fehlanreize bei Niederlassung von Ärzten beseitigt werden. Ärzte, die in unterversorgten Regionen arbeiten, sollen Zuschläge erhalten, die aus dem Überschuss überversorgter Regionen finanziert werden. Aber auch dem Thema der Digitalisierung muss deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden. Maria Klei-Schmeink äußerte sich in einem offenen Brief umfassend. Die unklare Regierungsbildung befeuere eine längere Zeit des politischen Stillstandes. Zeit, die dringend benötigt wird, denn insbesondere im ländlichen Raum ist ein leistungsfähiges Netzwerk sowie Innovations-, Koordinations- und Integrationsleistungen unbedingt vorzuhalten, um der Verantwortungspflicht der Länder Folge zu leisten.

Die Altersstruktur der Hausärzte wächst zu einem drastischen Problem heran. Fast 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte sind 65 Jahre und älter. Wegen der fehlenden Nachbesetzungsmöglichkeit ist die flächendeckende medizinische Versorgung im ländlichen Raum gefährdet. Die Überbelastung und Verstopfung der übrig gebliebenen Praxen und der Notaufnahmen der Kliniken sind die Folge. Bereits heute können deutschlandweit 2.727 (2016) Hausarztsitze nicht besetzt werden. Auch die stationäre Versorgung kann vielerorts nur eingeschränkt vorgehalten werden. Dem entgegen steht der erhöhte Bedarf durch die Altersentwicklung. Es kommt zu weiteren Verdichtungen des Arbeitsaufkommens und somit zwangsläufig zu einer steigenden Belastung für Ärzte und Pflegekräfte. Die Notfallambulanzen und Chirurgischen Abteilungen verstopfen zunehmend. Die Uhr tickt!

Hinsichtlich der Versorgungskapazität stehen Länder und Krankenhäuser also vor einer eminenten Herausforderung. Chirurgisch betrachtet existiert schon jetzt ein alarmierender Nachfrageüberhang, der die angrenzenden Hospitäler überfordert. Waren in 2015 bereits 42% der Bevölkerung 50 Jahre und älter, wird diese Altersgruppe bis 2030 (48%) fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen. Analog sinkt der Anteil an Erwerbstätigen um 5%. Somit ist anzunehmen, dass der gegenwärtige Engpass an qualifizierten Fachkräften weiter zunehmen wird. Grund also, die Bemühungen (Ausweitung der Marketingaktivitäten, implementieren eines Reputationsmanagements) bereits jetzt intensiv anzustoßen. Untermalt wird diese These vor allem durch die ausbleibende Nachbesetzung von Hausarztsitzen. Wie bereits erwähnt, gelingt die Wiederbesetzung freier Hausarztsitze immer schlechter. In 2016 blieben 22% Hausarztsitze mehr frei, als noch in 2015. Hält man sich in diesem Kontext vor Augen, dass schon heute mehr als jeder dritte der niedergelassenen Ärzte 60 Jahre und älter sind, erscheint es nicht verwunderlich, dass den Bundesländern in den nächsten Jahren keine Besserung ins Haus steht.

Es gilt also dem drohenden lokalen Versorgungsengpass zu begegnen, und Strukturen zu schaffen, die wirkliche Alternativen für die Versorgung ermöglichen. Überdies müssen Arbeitskonzepte entwickelt werden, die auf die kommende Generation abgestimmt sind und Themen wie Work-Life-Balance, Wertschätzung, Mitgestaltung des Arbeitsumfelds, Führungsqualität enthalten.

Quellen:
TPM Gesundheitspolitik 2018.05
Tagesspiegel | 30.01.2018
Bundesärztekammer | 30.01.2018
derhausarzt | 30.01.2018




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