Die DIN EN 15224 ist erschienen

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Als Unternehmensberatung für Krankenhäuser warnt JOMEC vor voreiligen Beschlüssen

Vorbemerkung in eigener Sache:
Wir sind ein Beratungsunternehmen und unterstützen Kliniken und Gesundheitseinrichtungen bei der Umsetzung Ihres Qualitätsmanagements und bei der Vorbereitung von Zertifizierungen. Wir sind keine Zertifizierungsstelle. Wir beraten unsere Kunden unabhängig. Dazu gehört auch die offene Diskussion der Frage, welche Systeme, Verfahren und Zertifikate für die Einrichtung sinnvoll und nützlich sind.


Zum Stand der neuen Norm

Am 4. Dezember 2012 erschien offiziell die DIN EN 15224 zeitgleich zum Informationsseminar des DIN in Berlin. Das Dokument ist nun über den Beuth-Verlag erhältlich.
Derweil gehen in der Fachwelt die Meinungen und Prognosen weit auseinander. Allein diese Unklarheit sollte aus unserer Sicht für Kliniken Anlass genug sein, momentan noch zurückhaltend zu sein und nicht voreilig eine Zertifizierung nach der in der Praxis noch unbewährten Norm anzustreben. Erfahrene Qualitätsmanager blicken auf die Debatte mit Gelassenheit.
Wir raten davon ab, auf Angebote im Sinne einer „vorläufigen Zertifizierung“ nach DIN EN 15224 einzugehen, die dann umgewandelt werden könnten. Nach aktuellem Stand hat die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS noch nicht einmal über die Zertifizierungsfähigkeit der neuen Norm entschieden. Anderes wäre auch nicht denkbar, da die Norm erst jetzt in der Endversion vorliegt und begutachtet werden kann. Erst nach der Feststellung der Zertifizierungsfähigkeit kann die DAkkS Anforderungen an die Zertifizierungsstellen erarbeiten und auf dieser Grundlage wiederum können erst die Zertifizierungsstellen akkreditiert werden. Das gesamte Verfahren nimmt laut DAkkS üblicherweise sechs bis zwölf Monate in Anspruch.

Diejenigen Häuser, die bereits mit der neuen Norm loslegen wollen, könnten quasi als "Kompromisslösung" bereits intern damit beginnen, nach den Anforderungen der DIN EN 15224 zu arbeiten und vorläufig eine Zertifizierung nach der bekannten DIN EN ISO 9001:2008 anzustreben, deren Anforderungen mit der DIN EN 15224 automatisch erfüllt werden. Somit hielte sich das Haus alle Möglichkeiten offen. Doch auch für diese Fälle sollten sich Geschäftsführung und Qualitätsmanagement im Vorfeld intensiv mit den inhaltlichen Anforderungen auseinandersetzen. Zu bedenken ist stets, dass wie bei allen Neuerungen die beteiligten Mitarbeiter mit ins Boot genommen werden müssen. Die Umstellung erfordert Aufwand, der in einem guten Verhältnis zum Nutzen stehen sollte.
Für fahrlässig halten wir übrigens Versprechen, die neue Norm sei für DIN 9001 zertifizierte Häuser sehr einfach und „an einem halben Nachmittag“ umzusetzen. Davon wurde auf dem Nationalen Qualitätskongress am 30. November 2012 berichtet, wo JOMEC die Norm im Rahmen eines Symposiums vorstellte. Auch wenn das als überspitzte Pointe gedacht sein sollte – für die meisten Häuser wird allein der hohe Detaillierungsgrad der neuen Norm viel Arbeit mit sich bringen.

Auf dem Qualitätskongress wurde auch diskutiert, ob die neue Norm zur Pflicht werde. Klargestellt sei nochmals: Das bloße Erscheinen der Norm verpflichtet nicht zur Anwendung. Die Debatten der jüngsten Veranstaltungen machten deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, ob die neue Norm dereinst verpflichtend wird, von Fachleuten höchst unterschiedlich bewertet wird. Für stationäre Einrichtungen, die entsprechende Ressourcen zur Umsetzung haben, kommt aus unserer Sicht eine solche Pflicht noch am ehesten in Betracht, wenn auch erst in einigen Jahren und wenn, dann wie im Reha-Bereich mit Vorlauf und Übergangsfristen. Den ambulanten Bereich mit einer so umfangreichen Norm zu belasten, wäre kaum praktikabel und würde wohl enorme Widerstände hervorrufen. In jedem Fall kann eine Norm nur dann verpflichtend werden, wenn sie durch den Gesetzgeber in die Vorschriften eingebunden wird, z. B. über § 135a SGB V, oder falls die Selbstverwaltung in ihren Richtlinien darauf Bezug nimmt.

Auf der Veranstaltung der DIN in Berlin wurde übrigens auch der Wildwuchs an Zertifizierungsverfahren und Qualitätssiegel beklagt, der dem eigentlichen Ziel, Vertrauen der Patienten in die Gesundheitsdienstleistungen zu schaffen, zuwiderlaufe. Viele Zertifizierungsverfahren würden von nicht akkreditierten Unternehmen angeboten und seien daher keine „Zertifikate“ im engeren Sinne. Das sollte auch für die Kliniken ein Anlass sein, sich über "Kosten" und "Nutzen" gründlich Gedanken zu machen, bevor Zertifizierungen angestrebt werden.
 




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