10. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit in Berlin - Rückblick

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Ein Interview vom 10. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin mit Dorit Müller, Mediatorin, Prokuristin und Partnerin der JOMEC GmbH. Ein Einblick in das Symposium „Klinikleitung und Qualität“.

Am 01.12.2016 war ein Teil unseres Teams auf dem Qualitätskongress in Berlin. Spannende Gespräche, Vorträge und Diskussionen rund um das Thema Qualitätsmanagement im Krankenhaus fanden statt. Laut Veranstalter trafen sich über 500 Klinikmanager, Ärzte, Hygienefachkräfte, Qualitätsmanager und Führungskräfte aus der Pflege beim 10. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin. In den Symposien wurden Themen aus den Bereichen Krankenhaushygiene, Qualitätsmanagement und Qualitätsmessung im Krankenhaus, Risikomanagement und Patientensicherheit, Entgelt und Qualität sowie Personal und Führung erörtert.

Das Symposium „Klinikleitung und Qualität“ hat uns besonders interessiert und wir haben es uns nicht nehmen lassen, mal einen Blick mitten ins Geschehen zu werfen. Im Nachgang haben wir mit unser Gesellschafterin Dorit Müller ein Interview über ihre Eindrücke geführt.

Prof. Dr. Lutz Fritsche, medizinischer Vorstand der Paul Gerhardt Diakonie gab die Einführung in das Symposium. Moderiert wurde es durch Prof. Dr. Fritz von Weizäcker, Chefarzt, Innere Medizin und Gastroenterologie der Schlosspark Klinik in Berlin.


JOMEC: Wie war der Einstieg in dieses Symposium?
Dorit Müller: Das Thema „Kundennutzen“ hat Prof. Dr. Lutz Fritsche, Vorstand der Paul Gerhardt Diakonie, großgeschrieben. Der Patient muss als Kunde gesehen werden und auch der Wohlfühlfaktor des Patienten rückt zunehmend stärker in den Fokus und gewinnt somit zunehmend an Bedeutung. Wie vermittele ich meinen Führungskräften dieses Thema und die damit verbundene elementare Wichtigkeit? Prof. Dr. Fritsche verdeutlicht, dass Qualität und Kundennutzen zu den wichtigsten Faktoren im Gesundheitssystem gehören. Qualität muss Alltag werden, gelebt aber vor allem vorgelebt werden. Die Herausforderung ist, bereits im Auswahlverfahren von Mitarbeitern mit Führungsposition, neben den fachlichen Qualifikationen auch den Schwerpunkt auf die Führungskompetenz zu legen. Seine Intension, Führung und Qualität sind eng mit einander verbunden und gehören zusammen. Nur dann gelingt der Erfolg. Auf Grund der hohen Bedeutung, die dem Thema Qualität beizumessen ist, wurde das zentrale Qualitätsmanagement in der Paul Gerhardt Diakonie auf Vorstandsebene angesiedelt.


JOMEC: Mit „Qualitätsmanagement in einer Universitätsklinik – Strategien und Maßnahmen“ ging es weiter, was haben Sie davon mitgenommen?
Dorit Müller: Weiter ging es mit dem Klinikum Mannheim und einem Paukenschlag. Was für mich beeindruckend war, war die Offenheit mit der Dr. Jörg Blattmann, Geschäftsführer der Universitätsklinik, über den Hygieneskandal gesprochen hat. Er hat anschaulich und transparent die Missstände erläutert, und eingeräumt, dass Basisarbeit nicht voll umfänglich geleistet wurde. Das heißt auch, dass gesetzlichen und behördliche Anforderungen nicht vermittelt und in den Klinikalltag umgesetzt wurden. Als Universitätsklinik galt man als unantastbar. Herr Dr. Jörg Blattmann hat das Thema Qualität zu seiner Aufgabe gemacht, vollständig umgestellt und reorganisiert. Risiken und Schwächen erkennen ist für ihn die Möglichkeit Chancen zu nutzen. Es knallt einmal richtig, alle wissen um die Tatsachen und man steht im Fokus der Presse und des gesamten Gesundheitssektors. Heute wird das Klinikum engmaschig durch das Gesundheitsamt und Co. überwacht. Aber er vermittelt Transparenz im Klinikum, sieht aber auch Compliance als Gratwanderung. Mit einem Hinweisgebersystem von Business Keeper haben Sie einen wichtigen Schritt im Compliance Management gemacht. Er sagte aber auch ganz klar, dass er seine Mitarbeiter anhält und animiert Vorfälle zu melden, da sonst eine Verbesserung nicht eintreten kann.

Mein Fazit: Offen, ehrlich aber trotzdem schockierend, dass so ein Skandal überhaupt möglich war. Dies zeigt aber auch, dass viele Häuser mit Missständen nicht offen umgehen. Wir beschäftigen uns nicht erst seit der DIN EN ISO 9001:2015 damit aber diese fordert ganz stark Führungskräfte und Klinikleitung in die Verantwortung zu nehmen. Das ist eine enorme Herausforderung für das Klinikmanagement aber machbar, denn Qualität ist Führung.


JOMEC: Welche Informationen ziehen Sie aus dem Vortrag von Herrn Dr. Ulrich Knopp (Schön Klinik Hamburg Eilbek) „Qualitätsversprechen einer Klinik und Feedback der Patienten“?
Dorit Müller:
Ein ausgesprochen guter Vortrag. Kundennutzen und die Nachhaltigkeit des Behandlungserfolges standen im Focus. In der Klinik wurde ein Kennzahlensystem mit CockPit Charakter implementiert. Dieses ist geprägt durch drei Säulen, medizinische Qualität, Patientensicherheit und Patientenerlebnis (Wohlfühlfaktor für Patienten). Kennzahlen werden diesen zugeordnet, regelmäßig ermittelt und bewertet. Abweichungen vom Sollwert (Qualitätsindex) werden frühzeitig erkannt und ermöglichen ein schnelles Handeln.
Nachhaltig an Verbesserungen arbeiten ist der Leitsatz. Die Schön Kliniken überprüfen in festgelegten zeitlichen Abstände wiederholt, die Zufriedenheit ihrer behandelten Patienten u.a. mit der Schmerzfreiheit. Sie haben eine erstaunlich hohe Rücklaufquote. "Es interessiert sich mal ein Klinikum für mich als Patient" – erschreckende Rückmeldung aber vielleicht gehen mehr Kliniken diesen nachhaltigen Weg.


JOMEC: Was nehmen Sie generell vom 10. Qualitätskongress Gesundheit mit?
Dorit Müller: Der Wandel entsteht – der Fokus: Was kann ich tun, damit ich den Patienten als Kunden gewinne und/oder halten kann? Wir gehen weg davon, zu denken, dass die Patienten sowieso zu uns kommen, hin zu den Patienten, die nachhaltig betreut werden wollen und die wir dadurch für das Krankenhaus gewinnen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, das dem Patienten Sicherheit vermittelt wird.

Wir sagen noch viel zu oft: „ich glaube, dass das so ist“ aber es wirklich zu wissen, ist ein ganz anderer Punkt. Wissen wir es wirklich? Sich zu kümmern und nachhaltig Interesse zu zeigen und diese Information zur Verbesserung der Abläufe, Prozesse und Patientenqualität zu nutzen, ist unser Ziel. Unser Ziel ist es zu sagen: „Ich weiß, was mein Patient braucht und möchte.“
Der Kulturwandel im QM. Qualität ist kein extra Club. Qualitätsmanager werden künftig als interne Berater gesehen und jeder Einzelne übernimmt Verantwortung für die Qualität seiner Arbeit im Sinne einer Selbstverpflichtung. Qualität ist nicht delegierbar.


JOMEC: Vielen Dank für Ihre Eindrücke und den aufschlussreichen Einblick.




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